Praxis & Medizin

Fiebermessen bei Kindern

Informationen zum Fiebermessen bei Kindern

Liebe Eltern!

Mit Fieber bezeichnet man eine erhöhte Körpertemperatur  irgendeiner Ursache.  Fieber ist also keine Krankheit, sondern ein Symptom. Meistens tritt Fieber als Folge einer Abwehrreaktion  gegen eine  Infektion auf, es kann sich jedoch auch um eine diffuse Entzündungsreaktion, die Folge einer körperlichen Anstrengung, eines Wärmestaus oder einer ungenügenden Flüssigkeitszufuhr handeln. Fieber allein ist nicht gefährlich, es kann jedoch Zeichen für eine schwerwiegende Krankheit sein. Die wichtigste Frage ist deshalb:  Wodurch wird das Fieber verursacht?

Von Fieber spricht man, wenn die  Körpertemperatur erhöht  ist. Allerdings ist die normale Körpertemperatur vom Alter, der körperlichen Aktivität, der Tageszeit oder den getragenen Kleidern abhängig. So liegt die normale Körpertemperatur abends immer etwas höher als am Morgen. Eine genaue Definition  von  Fieber ist deshalb schwierig. Die meisten Kinderärzte sprechen von Fieber, wenn die rektal gemessene Temperatur über 38 ° C liegt.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Fieber zu messen. Als Referenz gilt die  Rektaltemperatur.

Im Po (rektal)

Speziell bei kleinen Kindern bis zu drei Jahre ist dies die beste Methode. Zur Fiebermessung wird die Spitze eines Digitalthermometers mit Vaseline oder einem anderen Gleitmittel eingestrichen und 1bis 2 cm in den After eingeführt. Es wird eine Minute gemessen bzw. bis die Temperatur nicht mehr  ansteigt. Halten Sie Ihr Kind dabei locker: Es wird sich so weniger gegen die Prozedur wehren.

Im Mund (sublingual)

Ab dem Alter von vier bis fünf Jahren ist diese Methode zuverlässig und einfach. Verwenden Sie ein digitales Thermometer und reinigen Sie es gut. Legen sie es für eine  Minute oder bis zum Signalton unter die Zunge. Achtung: nach heißen oder kalten Getränken kann das Ergebnis falsch sein.

Im Ohr

Bei Kindern ab ca. einem Jahr ist die Temperaturmessung im Ohr eine  brauchbare Methode, die sehr schnelle Ergebnisse ergibt; die Bedienung ist jedoch heikel. Die Messwerte sind nur dann zuverlässig, wenn die Messsonde genau auf das Trommelfell zeigt. Das erklärt die oft stark schwankenden Werte  bei wiederholten Messungen.

Unter dem Arm (axillär)

Diese Methode ist in jedem Alter anwendbar, jedoch nicht besonders zuverlässig. Legen Sie das Thermometer unter die Achselhöhle und pressen Sie den Arm eine Minute stark an den Körper.

Ursachen

Fieber ist lediglich ein Symptom und kann verschiedene Ursachen haben.

Am häufigsten tritt Fieber im Rahmen von Abwehrreaktionen gegen Infektionskrankheiten auf. Diese sind wiederum meistens viraler Ursache (z.B. Grippe, Erkältungen, Dreitagefieber usw.) und völlig harmlos. Seltener handelt es sich um gefährliche, bakterielle Infektionen (z.B. Lungenentzündung, Mittelohrentzündung, Hirnhautentzündung usw.)

Das häufig vermutete Zahnen verursacht in der Regel höchstens etwas Temperatur. Hohes Fieber (>39°C) darf nicht einfach mit dem Zahnen erklärt werden.

Fieber an sich ist nicht gefährlich. Vielmehr muss man sich fragen, ob vielleicht  eine gefährliche Ursache vorliegen könnte. Dies sind insbesondere  die bakteriellen  Infektionen.

Folgen

Kinder haben oft sehr hohes Fieber, ohne dabei schwer krank zu sein. Fieber wird in der Regel gut ertragen. Bei Kindern zwischen sechs Monaten  und sechs Jahren kann Fieber gelegentlich einen Fieberkrampf auslösen, der jedoch harmlos ist.

Eine andere Komplikation von Fieber sind „Fieberträume“. Sie bedürfen neben einer herzlichen und beruhigenden Zuwendung keiner weiteren Behandlung.

Erst bei sehr hoher Körpertemperatur (>41°C) besteht direkte Gefahr.

Behandlung

- Bieten Sie Ihrem Kind viel Wasser, Tee oder verdünnte  Fruchtsäfte an; dass es meist nicht viel essen möchte, ist normal.

- Decken Sie Ihr Kind nicht stark zu und ziehen ihm nicht zu viel an.

- Bettruhe  ist nicht nötig. Das Verhalten Ihres Kindes gibt Ihnen Hinweise über den Schweregrad der Krankheit. Besuche  von oder bei anderen Kindern sind in der akuten Phase wegen der Ansteckungsgefahr nicht zu empfehlen.

- Bei hohem Fieber sind Wadenwickel mit oder ohne Essig (ein Esslöffel  auf einen Liter Wasser) oft sehr hilfreich. Nutzen Sie zimmerwarmes Wasser. Die Wirkung ist jedoch nur dann gut, wenn die Beine  des Kindes  warm sind und die Wirkdauer kurz. Wickel müssen oft wiederholt werden.

- Steigt das Fieber trotz dieser Maßnahmen über 39 °C, kann das Fieber mit Medikamenten (Zäpfchen, Saft oder Tropfen) gesenkt werden.

Achten Sie darauf, dass der Wirkstoff Paracetamol (z.B. Benuron)  mit  maximal 15 mg pro kg Körpergewicht oder der Wirkstoff Ibuprofen (z.B. Nurofen, Ibuflam, Iburon) mit maximal 10 mg pro kg Körpergewicht  alle  8 Stunden dosiert werden kann, sofern die Temperatur anhaltend über 39 °C bleibt. Nur ausnahmsweise sollte PCM und Ibu  in 4 stdl. Wechsel gegeben werden. Wegen möglicher Nebenwirkungen rate ich  vor allem im Kleinkindalter von der Gabe von Salicylaten (z.B. Aspirin, ASS) ab.

Die Wirkung aller Medikamente tritt erst nach ca. einer halben Stunde ein. Warten Sie mindestens so lange, bis Sie die Temperatur kontrollieren. Das Ziel der Behandlung ist nicht eine normale Temperatur unter 38°C; sondern die Linderung der Symptome und die Besserung des Allgemeinzustandes Ihres Kindes.  Stellen Sie nach einer Stunde keine solche Besserung  fest oder ist Ihr Kind  teilnahmslos, nicht zum Spielen  bereit, suchen Sie bitte einen Arzt auf.

Bei Frage und Zweifeln bin ich gern für Sie da! Gute Besserung!          

Dr. Ellen Buttjes-Balks