Praxis & Medizin

Primärarztsystem - Was könnte das für uns bedeuten

Ein Primärarztsystem wird politisch diskutiert – mit dem Ziel, Facharztwege stärker über Hausarztpraxen zu koordinieren. Eine aktuelle Auswertung bundesweiter GKV-Daten (2023) zeigt: Je nach Ausgestaltung könnte das für Hausarztpraxen eine spürbare Mehrbelastung bedeuten – rechnerisch mehrere hundert zusätzliche Kontakte pro Jahr und Praxis. Was das für Patientinnen und Patienten heißt und worauf es bei der Umsetzung ankommt, erklären wir hier kurz.

Primärarztsystem: Was würde das für Hausarztpraxen bedeuten?

In der Politik wird ein verbindlicheres Primärarztsystem diskutiert. Das würde bedeuten: Viele Facharztkontakte müssten künftig über die Hausarztpraxis koordiniert werden (z. B. Einschätzung, Überweisung, Steuerung).

Eine aktuelle Auswertung bundesweiter GKV-Abrechnungsdaten (2023) kommt zu dem Ergebnis, dass dadurch – je nach konkreter Ausgestaltung – eine zusätzliche Belastung für Hausarztpraxen entstehen kann: rechnerisch etwa 335 bis 702 zusätzliche Kontakte/Anlässe pro Hausarzt und Jahr, in sehr strengen Varianten deutlich mehr. Wichtig: Das sind Modellrechnungen, keine sichere Vorhersage – die tatsächlichen Auswirkungen hängen stark von den Regeln ab (z. B. wie lange Überweisungen gelten, ob Fachärzte weiterüberweisen dürfen, ob Patient:innen verbindlich an eine Hausarztpraxis gebunden sind). 

Unser Anliegen ist, dass Koordination ohne zusätzliche Bürokratie funktioniert – und dass ausreichend Zeit für Akutfälle und komplexe Erkrankungen bleibt.

Quelle: Mangiapane S. et al., Implikationen eines Primärarztsystems in Deutschland, Die Innere Medizin (2026), DOI: 10.1007/s00108-025-02028-7.